Narrenbaum aufstellen

(SZ Karl-Heinz Burghart)

Spittlnarren aus Munderkingen und die Patenzunft aus Hayingen lassen die Muskeln spielen

Mit einer Narrenmesse im Münster und dem anschließenden Aufstellen ihres Narrenbaums sind die Obermarchtaler Narren am Samstagnachmittag in die Fasnet gestartet. Unter die lautstarken „Narri-Narro“-Rufe von Zunftmeister Reinhard Siegle und seinen Obermarchtaler Turmfratzen, Fledermäuse, Klosterklemmern und Hexen vom Schtoi haben sich in diesem Jahr die Narrenrufe der Munderkinger Spittlnarren gemischt.

Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, gab Zunftmeister Reinhard Siegle zu in Obermarchtal die „faulsten Narrenräte der Region“ zu haben. Und diesem Ruf wurden die gastgebenden Obernarren wieder gerecht. Ohne die Hände aus den Manteltaschen zu nehmen, überließen sie die Muskelarbeit, den Narrenbaum in die Senkrechte zu bringen, den Munderkinger Narren.

 

Erst vor wenigen Tagen in die Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte aufgenommen, holten sich die Spittlnarren dazu Unterstützung aus ihrer Hayinger Patenzunft. Und wie immer beschränken sich die Gastgeber auf schlaue Sprüche und richtungsweisende Ratschläge. „Mir san in Marchtl ond it in dr G’werkschaft“, tönte Siegle, als die Baumsteller eine Verschnaufpause einlegen wollten.

 

Holzfiguren am Narrenbaum

Nebenbei erfuhren die Zuschauer, dass die Puppen, die bislang den Kranz am Narrenbaum geschmückt haben, durch handgemalte Holzfiguren ersetzt wurden. „Die hat Hermann Dreher für uns gemalt“, so der Zunftmeister.

 

Bereits zum dritten Mal gibt’s den Obermarchtaler Narrenbaum heuer im Doppelpack. Wie in den vergangenen Jahren durften Kindergartenkinder einen Mini-Narrenbaum schmücken, der mit närrischem Brimborium und unter den Klängen des Musikvereins beim Kindergarten aufgestellt wurde. „Hier bleibt er bis zur Schülerbefreiung stehen“, verkündete Siegle.

 

Während der anschließend zum Zunftmeisterempfang eilte, ließen sich die normalen Narren und Zuschauer saure Kutteln als Henkersmahlzeit in der Halle schmecken, bevor am frühen Abend mit der Schlossgeistsuche im Kloster der nächste Akt des närrischen Tages auf dem Programm stand. Im Schein ihrer Fackeln zerrten die Narrenräte den gefangenen „großkopfeten Obernarren“ zum Rathaus, um dort Bürgermeister Anton Buck zu entmachten.

 

Projektchor entwickelt sich zur Tradition

(SZ / Karl-Heinz Burghart)

Mit einer „Messe für Narren“ im Münster, dem anschließenden Narrenbaumstellen, dem Rathaussturm und dem Narrensprung am Abend startet die Narrenzunft in Obermarchtal am Samstag in die Fasnet.

„Wir beginnen nicht mit einer Narrenmesse, sondern einer Messe für Narren, zu der wieder unser Fasnets-Projektchor singen wird“, betont Zunftschreiber Florian Siegle. Gemeinsam mit Barbara Tress hat Siegle den närrischen Chor als einmaliges Projekt zum Ringtreffen 2012 gegründet. „Nach dem Auftritt beim Ringtreffen bekamen wir so überwältigend positiven Zuspruch und auch den Sängerinnen und Sängern gefiel der Fasnets-Projektchor so gut, dass schnell klar war, dass wir weitermachen“, so Siegle. Bereits zum vierten Mal wird der Chor am Samstag im Münster singen.

 

Seit Anfang Dezember treffen sich die närrischen Sänger jede Woche zur Chorprobe. „Besonders bemerkenswert ist, dass kaum einer der rund 30 Sänger über Chorerfahrungen verfügt hat. Einige haben nicht mal eine musikalische Ausbildung. Wir sind alle Närrinnen und Narren aus unserer Zunft“, so der Zunftschreiber. „Das Tolle ist, dass alle mit viel Engagement und Freude dabei sind. Das spürt man auch beim Singen und das hören sicher auch die Besucher der Messe“, so Siegle.

 

Buntes Liederrepertoire

Der Zunftschreiber verrät, welche Lieder der Fasnets-Projektchor bei der Messe für Narren singen wird. „Das abwechslungsreiche Repertoire reicht in diesem Jahr von Melodien aus der französischen Glaubensgemeinschaft Taizé über Kirchenlieder, wie „Ich lobe meinen Gott“, bis zu weltlichen Songs, unter anderem einem Hitmedley der Band Pur“. Bei einigen ihrer Lieder werden die Chorsänger von einem Ensemble des Obermarchtaler Musikvereins begleitet. Die Messe für Narren wird unter dem Thema „Berührung“, das sich als roter Faden durch den Gottesdienst zieht, wird von Pfarrer Jürgen Dolderer und Diakon Johannes Hänn gehalten.

 

Nach der Messe im Münster wird gegen 16 Uhr der Narrenbaum auf dem Marktplatz aufgestellt. Wie gewohnt werden sich die Obermarchtaler Narren dabei ihre Finger nicht schmutzig machen, sondern die schweißtreibende Arbeit wieder einer befreundeten Narrenzunft überlassen. „Auch in diesem Jahr wird wieder ein Kinder-Narrenbaum aufgestellt“, sagt Florian Siegle. „Seit vielen Wochen basteln Kindergartenkinder den närrischen Schmuck des kleinen Baums. Der wird am Samstag damit geschmückt und beim Kindergarten aufgestellt“.

 

Während sich Obermarchtals Zunftmeister Reinhard Siegle ab 17.30 Uhr mit den Obernarren der Gastzünfte des späteren Umzugs zum Zunftmeisterempfang trifft, gibt’s für „normale Narren“ die traditionelle Obermarchtaler Henkersmahlzeit in der Turn- und Festhalle. Dort können Narren und Zuschauer saure Kutteln genießen. Ab 19 Uhr steigt der nächste Höhepunkt des Narrentags. Im Schein ihrer Fackeln werden die Narrenräte zunächst den Schlossgeist in den Klostermauern suchen und anschließend zum Rathaus ziehen, um von Bürgermeister Anton Buck die Herausgabe des Rathausschlüssels zu fordern. Den werden die Obernarren dann stolz durch den Umzug tragen.

 

In 23 Gruppen werden Narren und Musiker vom Marktplatz über den Stangenberg, die Sebastian-Sailer-Strasse und die Rechtensteinerstrasse zur Turnhalle ziehen. Traditionell wird der nächtliche Gaudiwurm von der Obermarchtaler Musikkapelle und den heimischen Narren angeführt. Dann folgen Zünfte aus der VG Munderkingen und der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte VFON. „Und wenn das nächtliche Spektakel in den Straßen vorbei ist, geht das Narrenfest in den Diskozelten, Besenwirtschaften, Gaststätten und der Festhalle weiter“, sagt Zunftschreiber Florian Siegle.