Zunftgeschichte

NZODie Narrenzunft Obermarchtal entstand um die Jahrhundertwende. Zwischen 1922 und 1925 fanden dann die ersten kleinen Umzüge durch den Ort statt, mit anschließendem Schloßball.

Das erste schriftliche Dokument ist ein Kassenbuch aus dem Jahre 1925, welches noch heute bei der Zunft archiviert ist. In den Jahren 1931 bis 1934 wurden nur Fasnetsbälle abgehalten, bei denen eine Maskenprämierung Mittelpunkt war. In den Jahren 1935 bis 1939 konnten trotz schwierigen politischen Verhältnissen Fasnetsumzüge durchgeführt werden.
Von 1940 bis 1948 waren die närrischen Aktivitäten kriegsbedingt eingestellt. Zu jener Zeit, konkret 1945, entsand die Legende, daß im Schloß Obermarchtal Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben sollen. Es wird erzählt, daß damals das Schloß von französichen Soldaten besetzt worden sei. Jedoch hätte der Schloßgeist und sein Gesindel mit den Soldaten sein Unwesen getrieben, so daß diese nach mehreren unruhigen Nächten wieder aus dem besetzten Schloß ausgezogen seien.

1949 fand dann eine Gründungsversammlung statt, durch die der Narrenverein Obermarchtzal wieder aktiv wurde. Bei der später abgehaltenen Vollversammlung wurden 63 Mitglieder aufgenommen.

Die furchteregenden Ereignisse um die französischen Besatzer von 1945 wurden dann 1951 wieder aufgegriffen und der Narrenverein beschloß, den Schloßgeist zur Hauptfigur der Obermarchtaler Fasnet zu machen. In mühevoller Arbeit wurde alljährlich ein Geist mit einer stattlichen Höhe von 2,90 m konstruiert.

Schwer bewacht von Henkern wurde der Schloßgeist seinem Richtplatz zugeführt. In feierlichster Weise fand dann die Verurteilung statt, bei der alle Schandtaten aufgedeckt wurden und als Strafe ein fürchterlicher Tod durch Verbrennen die Folge war. Die Urteilsvollstreckung erfolgte damals, wie auch heute noch in Anwesenheit der ganzen Einwohnerschaft.

1955 wurde der Narrenverein aufgelöst und eine Narrenzunft geründet. 1957 wählte die Vollversammlung Berthold Maichel zum Oberzunftmeister, der durch sein närrisches, brauchtumsbewußtes Handeln 30 Jahre lang die Geschicke der Narrenzunft leitete.

Im Jahre 1960 konnte nach Annahme einer ausgearbeiteten Satzung die Narrenzunft ins Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen werden. 1963 wurde erstmals die Beschaffung einer großen Holzmaske für den Schloßgeist ins Auge gefaßt. Nach Abschluß der mühevollen künstlerischen Arbeiten war es dann 1965 soweit. Die neu geschaffene Schloßgeistfigur mit Gefolge von acht Turmfratzen hatte in der Öffentlichkeit ihren ersten Auftritt. Schon 1968 wertete die Narrenzunft ihr äußeres Erscheinungsbild weiter auf und schuf zwei neue Maskengruppen, die Hexen und die Fledermäuse.

Als zweiten Höhepunkt und als Krönung für jede Mitgliedszunft der Vereinigung, fand in Obermarchtal am 31. Januar 1982 das Ringtreffen der Freien Oberschwäbischen Narrenzünfte statt.

Somit schließen wir den kleinen Rückblick in die Geschichte und das Brauchtum der Narrenzunft Obermarchtal, die heute auf 250 Maskenträger gewachsen ist.